von Dives-sur-Mer bis Honfleur

17.04.2026 Freitag

Da man vom nächsten Zielort oftmals Hiobsbotschaften hört, wollen wir nix anbrennen lassen. Vor mehr als 10 Jahren auf einer Tour mit unserem ersten Womo Richtung Bretagne haben wir mangels Überfüllung diesen Ort ausgelassen. Wir sind ja auch nicht so die Hotspotbesucher schlechthin, aber diesmal wollen/müssen wir uns hinquälen. Man kann ja nicht wissen! Nur 50 km beträgt die Anreise, früh am Tag ist es noch, und die Wochenendfahrer dürften erst nachmittags anrollen. So besteht berechtigte Hoffnung auf das Erhaschen einer SP-Lücke. Diese liegt in Honfleur, ja diesem vielgerühmten Traumfleckchen an der Seine-Mündung, diesem Fischer- und Matrosennest, diesem malerischen Hafenstädtchen. Die Lobeshymnen überschlagen sich ja. Und nach unspektakulärer, aber hügeliger Anreise durch ländliche Gegend mit vielen Obstbäumen und Pferdekoppeln fällt unser Blick nach recht steiler Abfahrt schnell auf Jachthafen, Flusskreuzfahrtschiffe und Riesenrad. 

Und davor liegt es, unser Nachtlager. Die Rechnung scheinbar mit allen Wirten gemacht finden sich auch reichlich freie Lücken, wir haben die Wahl und nehmen den ersten am Rand. Perfekt. Aussicht unverstellbar auf die Jachten, seitlich auf den Fischereihafen und die Dampfer, nur einseitig Nachbarschaft. Den rückwärtigen Kieshaufen nebst großem PKW-Parkplatz blenden wir aus, wird ohnehin alles vom nostalgischen Riesenrad in den Schatten gestellt. Aufatmen und Einrichten ist angesagt. Wir freuen uns. Honfleur, schon mal einen Pluspunkt im Sack. 

Gegen Nachmittag packt uns das Radfahrfieber. Eine Erkundungsrunde wird geplant. Zunächst geht‘s am Hafenbecken vorbei Richtung Seine-Mündung mit zuckersüßen Ausblicken auf das Örtchen, das sich mit schmalen hohen Bauklötzchenhäusern in eine kleine Bucht vor hohem bewaldeten Hügelland schmiegt und davor bunte Schiffchen, die ihr Tagwerk für heute hinter sich haben, vor sich hin schaukeln. 

Da irgendwo Hafen- und Schleusenanlagen alles abriegeln und wir nicht weit kommen, aber Ortsbesichtigung erst morgen unternommen wird, schwenken wir nach rechts ab über eine historische Schleuse und landen auf einem sehr perfekten Radweg, der durch sumpfiges Wiesenland und an vielen Schafen vorbei führt.

Und dieser Radweg führt uns plötzlich aus Wiesen und wie aus dem Nichts kommend an eine steile Auffahrt. Ende der Auffahrt = Anfang der Pont de Normandie. Ne ne ne, diese gewaltige Brückenkonstruktion mit schwindelerregender Höhe wollen und werden wir keinesfalls beradeln. Da müssen wir leider leider passen. Unsere Fürsorgepflicht für‘s Chianga-Mäuschen hinten im Hänger nehmen wir sehr ernst. Sie könnte mitsamt Hänger weggeweht werden. Und wer will denn sowas? Ja, wenn wir ohne Hänger wären, ja dann wäre das gaaaanz was anderes. Aber pssst … auch dann trauen wir uns da mit Rad nicht drüber, obwohl es über eine Radspur möglich wäre. Das sollen mal die Adrenalin-Junkies machen, wir nicht. Wir begnügen uns mit den Ansichten dieses phänomenalen Bollwerks und folgen Google maps, das anzeigt, dass man am Ufer der Seine ca. 10 km schnurgerade bis ins Örtchen Berville-sur-Mer radeln kann. Na, das Angebot nehmen wir an und entspannen auf einer sehr schönen Tour, auf der die Räder einfach so dahin schnurren. 

Ins Örtchen werfen wir nur kurze Blicke. Mehr lockt ein kleines Gartenlokal, in dem wir uns einen köstlichen Crépes mit Eis und Karamellsauce gönnen. Eine Schlemmerei! Aber der Radweg war auch lang. Später sehe ich, dass man mit Womo auch auf dem großen Parkplatz übernachten darf. 

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