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Taormina  

 

CP Almoetia

kurzer Fußweg zum Strand, idealer Ausgangspunkt zur Besichtigung Taormina, perfekte Sicht auf den Ätna   

 

Via San Marco 19

95011 Calatabiano

N  37°48'17" - E 15°14'39"


"Kummer verdaut man am besten, wenn man ihn in Wein auflöst.“

So sagt man auf Sizilien, und das klingt doch wirklich plausibel und sympathisch.

 

Und ist doch Grund genug, sich überhaupt oder immer mal wieder der größten Insel im Mittelmeer zu nähern, sich von der „Stiefelspitze“ des italienischen Festlands über die „Stretto di Messina“, diese an der schmalsten Stelle nur 3 km breite Meerenge, in ca. 20 Minuten verschiffen zu lassen. Auf diesem Dreieck Sizilien, ein Überrest der Landbrücke, die einst Europa und Afrika verband, das wegen seiner Form auch den griechischen Namen Trinakria (übersetzt „Drei-Kap“) trägt, hangeln wir uns auf unserer ersten Rundreise auf der knapp 1200 km langen Küstenlinie entgegen dem Uhrzeigersinn von einer Schönheit zur anderen durch eine gesegnete Natur mit unglaublicher Farbenpracht. Nicht umsonst machen gerade diese Farben Sizilien zu einer der schönsten Inseln auf unserer Erde. 

Und wie eigentlich alle Schönheiten der Erde, so besitzt auch Sizilien eine Perle:

Taormina – den Monte Tauro hinter sich und das Ionische Meer vor sich.

Fast 250 m hoch auf einer Terrasse erstreckt sich die malerische kleine Stadt mit ihren zahlreichen historischen Sehenswürdigkeiten und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zum wichtigsten touristischen Zentrum der Insel entwickelt. Das milde Klima und die mediterrane wunderschöne Landschaft lockten schon Generationen vor uns.

Endlich auch uns, denn so ganz sicher war es nicht, ob wir es mit Bazou überhaupt hier herauf schaffen würden. Die Serpentinen hinauf wollten wir uns mit Womo nun gerade nicht in unsichere Parkplatzsituation bugsieren, die Seilbahn nach oben außer Betrieb, SP am Fuß des Berges voll, Radeln kräftemäßig und konditionsbedingt - Schande über uns - nicht drin. Manchmal ist es so wie es ist. Daher wählen wir einen nahe gelegenen CP und steuern ihn am Vorabend an, nachdem wir uns durch den Abendverkehr in Catania gewurschtelt und mit dem CP-Betreiber abgesprochen haben, dass er sich um ein Taxi kümmert, das uns morgen mit Hund nach Taormina bringt. Hund im Taxi ? Auf Sizilien normalerweise unmöglich. Da wir aber auf diese „Extrawurst“ zwingend angewiesen sind, hoffen wir darauf, dass es letztlich nur eine Frage des Geldes ist. Wir werden daher dem Taxifahrer ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann – ganz im Stil der hier, wie man hört, gelegentlich üblichen Verhandlungsmethoden. Reisen bedeutet schließlich auch Anpassung an andere Sitten und Gebräuche.

Und der sizilianische Platzherr schafft es tatsächlich, ein Taxi zu besorgen. Unsere „Drohung“, auf seinem Platz nur zu bleiben, wenn er eins auftut, das auch Bazou mitnimmt, hat er wohl ernst genommen. Jedenfalls können wir für 55 € - teure Extrawurst - mit Hund nach Taormina gefahren und wieder abgeholt werden. Wir schlagen in den Handel ein und vertreiben uns die Wartezeit auf das Taxi mit Beobachtungen der Vorgänge rund um den Ätna. Unschuldig schneeweiß liegt er da, der höchste und aktivste Vulkan Europas, 3400 m hoch, nichts verrät auf den ersten Blick etwas über seine Aktivitäten in der vergangenen Nacht. Aber beim genauen Hinschauen sieht man in den weißen Schneefeldern eine schwarze breite Spur, die weit talwärts läuft, exakt die Spur der heute Nacht glutrot fließenden Lava, der wir mit offenen Mündern folgten, gruselig. Im rot gefärbten Rauch sah man immer wieder rot glühende Punkte, die in die Höhe schnellten und in weiten Bögen irgendwo im Dunkel der Nacht verschwanden. Ein unbeschreiblicher Anblick! Und so nahe, dass es uns den Atem verschlug. Entsprechend schlecht werden auch die Fotos, ich kann die Kamera in meiner Hand während der langen Belichtungszeit nicht ruhig genug halten. Und wegrühren, um irgendein Stativ zu basteln, geht auch nicht, wie gebannt standen wir da und schauten uns dieses gewaltige Naturerlebnis an. Bazou witterte dauernd in den Abendhimmel, spielte mit seinen Ohren. Er roch bestimmt diese Andersartigkeit und versuchte, das dumpfe Grollen einzuordnen.

Einordnungsprobleme hat er heute beim Anblick des Taxifahrers nicht. Nachdem dieser seine Ängstlichkeit nach und nach verliert und erstaunt ist, wie brav Bazou in den Kofferraum springt und sich hinlegt, geht es bei perfektem Ausflugswetter die Serpentinen hinauf ins romantische, einzigartige Städtchen mit Traumpanorama. Ganz sicher schritt Goethe, als er sich bereits im Jahre 1787, lange bevor der Tourismus überhaupt aufblühte, hier aufhielt, durch eben dieses nördliche Stadttor, die Porta Messina, durch das wir nun, vorbei an einer Gruppe hochmotivierter Bergbezwinger auf Fahrradsätteln, erwartungsvoll schreiten. Auf ins Vergnügen!

Die Geschäfte sind zwar heute am Sonntag überwiegend geschlossen, aber viele Besucher murmeln herum in den schmalen verträumten Gassen und genießen spektakuläre Ausblicke aufs Meer. Warm eingehüllte schicke Signore e Signora  flanieren gestenreich zwischen in eher lässig sommerlicher Kleidung steckenden Touristen. Es herrscht eine sehr freundliche, fröhliche Stimmung. Die Menschen sind gut aufgelegt, entspannt, Handschlag gehört fast überall dazu, selbst bei nur kurzem Plausch auf der Straße, meist ausgelöst durch Fragen nach Bazou. Wie auf vielen Italien-Reisen, erleben wir auch hier sehr großes Interesse an unserem Bazouschen, mit „che bello“ oder „che bravo cane“ wird er geherzt und gedrückt, zum Teil mächtig ehrfurchtsvoll, indem man auch noch Wim anerkennend auf die Schulter klopft, Männer unter sich, tja, man tut was man kann. Die italienische Frau hingegen geht im Zuge ihrer Bewunderungsaktion eher in die Hocke, legt mir - wieder aufgerichtet nach inniger Zwiesprache mit Bazou, einigen Hundeküssen und Streicheleinheiten - ihre Hand vertrauensvoll auf meinen Unterarm mit einem tiefen Blick in meine Augen und einem Wimpernschlag, der komplett umarmt. Madonna mia ... molto grazie.   

Unser Rundgang führt auf das Felsplateau des Monte Tauro zum Teatro Greco, der schönsten Bühne der Welt, im 3. Jh. v. Chr. von den Griechen erbaut und im 2. Jh. n. Chr. von den Römern erweitert. Eine antike Stätte, die man häufig auf Fotos sieht, und auf die wir sehr gespannt sind.

Angekommen sind wir sprachlos, es ist unfassbar schön hier oben, die Ruinen dieses antiken riesigen Theaters mit seinen halbrund ansteigenden Rängen für über 5000 Besucher, mit Durchblicken auf Meer und kleinere Gipfel, üppige Vegetation, Bergketten aus Lava. Und über allem der schneebedeckte weiß qualmende Ätna.

Etliche Mal hören wir deutlich sein donnerndes Grollen. Das Betrachten eines aktiven Vulkans kann doch mit kaum etwas verglichen werden. Und gestern sind wir ihm im dichten Schneetreiben auf fast 2000 m noch sehr nahe gekommen. 

Einfach phantastisch, einzigartig und unvergesslich. Das Wort "majestätisch" fällt mir ein und ist wahrlich nicht übertrieben. Dieser Berg ist eine majestätische Schönheit. Welch eine Kulisse für dieses Theater, in dem bis heute Aufführungen stattfinden, wenn auch Gottseidank keine Gladiatoren- und Tierkämpfe mehr wie damals üblich.

Ist es solch ein Augenblick, der Leben - und Reisen - ausmacht?

Ich spüre, nein, das ist es nicht. Unvergesslich Lebens- und Erlebenswertes trägt solch ein Augenblick nur in sich, weil er ein Staunen, eine Ergriffenheit auszulösen vermag, die bewegt und Gedanken an Wichtigkeit und Unwichtigkeit aufkommen lässt, neu sortieren lässt, Spreu vom Weizen trennt, Sonntag im Herzen zaubert, nicht nur, weil heute tatsächlich Sonntag ist. 

Wir setzen uns auf der sonnenbeschienenen Piazza IX Aprile an einen kleinen Tisch in erster Reihe und genießen zum Weißwein ein Sonntagsessen - Vongole. 

Unser Taxifahrer begrüßt Bazou beim Abholen schon freiwillig wie einen alten Bekannten und bringt uns zum Womo zurück. Ausruhen ist angesagt, morgen ist Reisetag, die Überfahrt steht an. Wir legen ab, kurz und schmerzlos. Im Vorbeiziehen grüße ich die Madonna, sie hat gewiss ihr Bestes getan, denn unsere Reise rundum Sizilien war wundervoll und hinterlässt in uns einen nachhaltigen Eindruck.  

Und nun: auf zu neuen Ufern!



 

Für Interessierte:

 

https://campingalmoetia.it/sito/ 

https://de.wikipedia.org/wiki/Taormina

http://www.italia.it/de/reisetipps/meer/taormina.html