Kantabrien Asturien Galicien

05.01.2015 Montag - Cosillas

Nebel um uns herum beim Aufwachen. Wir werden daher Capbreton verlassen und weiterfahren. Frühstück knapp, spülen, entsorgen, Einkauf und Tanken beim Intermarche, und ab geht's über die Grenze nach Spanien, Santillana del Mar, das schönste mittelalterliche Örtchen in Spanien ist unser nächstes Ziel. Biarritz wird umfahren und aufgespart für ein anderes Mal. Lang ziehen sich die Kiefernwälder an der französischen Küste entlang. Eigentlich weniger schön, etwas öde, weil alles kultiviert ist. Aber dann überrascht uns Nordspanien sehr. Eine wunderschöne hügelige Wiesenlandschaft mit schneebedeckten Bergen im Hinterland und immer wieder tollen Blicken auf den Atlantik, auf Felsen, Buchten und Strände. Dazu zeigt sich unmittelbar an der Grenze blauer Himmel und die Sonne scheint. Im Tagesverlauf klettern die Temperaturen auf 14 Grad. 

Wir bummeln durch Santillana im dünnen Jäckchen. „Que bello“ wird ersetzt durch „que bonito“, „chien“ und „cane“ durch „perro“. So kommen schon mal ein paar spanische Brocken in mein Hirn. Im Ort trifft man Vorbereitungen für ein Krippenspiel. 

Vorbereitungen zu einem Krippenspiel zeigen sich auch wenig später in Cosillas, das wir besuchen, weil wir einen Gaudi-Bau bestaunen wollen, der allerdings geschlossen ist. Überall wird mit Weihnachtsmusik beschallt, aufgestellte Drängelgitter vor einer leeren Groß-Krippe sollen den Besucherstrom lenken, das Jesuskind liegt noch in einer kleinen Krippe in der Kirche vor dem Altar. Alles ist sehr bunt und glimmer-kitschig, aber sicher ein freudiges, großes Fest für die Besucher.

 

Wir fahren trotzdem weiter, weil es erst um 20.30 Uhr losgehen soll. Der Reiseführer bietet 3 SP in der Nähe, die Suche gestaltet sich aber schwierig, alles verboten. Wir suchen weiter, finden dann doch einen Parkplatz direkt am Meer gegenüber einem CP. Hier bleiben wir. Es gibt eine leckere Vorspeise, 1 x quer durch den Kühlschrank, und eine Dose Chilli con Carne mit Baguette. Das morgige Ziel wird festgelegt. Ein sonniger Tag geht zu Ende.

 

06.01.2015 Dienstag - Cudillero

Wir backen uns Brötchen auf. Langschläfer sind wir in diesem Urlaub noch nicht, was aber auch nicht schlimm ist. Der Himmel über dem Atlantik ist noch grau. Aber von Kälte keine Spur. Wir finden am Ende der Parkfläche glücklicherweise eine Wasserzapfstelle und füllen mit Kanister auf. Wasser fehlte nämlich. Jetzt können wir beruhigt in die nächsten Tage fahren. Wir wollen zum Cabo de Penas zu einem Leuchtturm und zu einem Klippenwanderweg und danach einen SP anfahren in einem Hafen im kleinen Fischerdorf Cudillero. Also auf. Es wird eine schöne sonnige Fahrt. Die Landschaft beeindruckt, hügeliges Weideland, sehr gepflegt alles, so viele neue schöne Häuser sehen wir, wirklich auffallend. Hohe Gebirgsketten ragen ganz küstennah in den Himmel, und immer wieder staunen wir über die herrlichen Ausblicke auf die rauhe Atlantikküste und das blaue Meer. Und ich sehe Horreos, die traditionellen Getreidespeicher für Feldfrüchte in den nördlichen spanischen und portugiesischen Regionen, die heute kaum noch in Gebrauch sind, aber von der Bevölkerung als wichtiges Kulturgut gehegt und gepflegt werden. In der Bauart unterscheiden sie sich je nach Region. In Asturien, wo es noch an die 18.000 solcher Speicher geben soll, wurden sie eher quadratisch gebaut, in Galizien langgestreckt rechteckig. Sinn und Zweck der auf hohen steinernen Pfeilern ruhenden Holzkonstruktionen mit vielen schmalen Lüftungsschlitzen, häufig mit Kreuzen oder steinernen Obelisken auf den Dächern zur Abwehr böser Geister versehen, ist aber gleich: hier im Norden fällt sehr viel Regen, daher müssen die oft reich verzierten Speicher, die häufig von mehreren Familien genutzt werden, durch viele Schlitze gut durchlüftet sein, damit das hohe Gut nicht verrottet; andererseits dürfen durch die Schlitze aber keine Schädlinge wie Mäuse, Ratten oder Vögel eindringen können. Daher wird der Holzspeicher auf den Pfeilern auf überhängenden Steinplatten aufgesetzt, eine Konstruktion, die von am Boden lebenden Nagern kaum zu überwinden ist.

 

Unser erstes Ziel, Cabo de Penas, finden wir gut. Wir essen in der Bar eine Fischsuppe, trinken ein Glas Vin Blanco, und Wim zahlt nur 4,60€, vermutlich ein Versehen! Danach wandern wir herum, staunen über die schroffen Klippen und genießen die Sonne und erste kleine Blümchen. 14 Grad ist es, wir schwitzen ganz ordentlich. 

Nächstes Ziel Cudillero finden wir auch problemlos. Nach einer steileren Anfahrt sehen wir die Hafenmole und Parkmöglichkeiten. Ein schönes Bild. Zwei WoMos stehen schon dort. Wir parken ein, trinken einen Kaffee, essen die letzten französischen Miniteilchen - köstlich! - und planen schon mal die weitere Reise. 

Danach wird das Örtchen erkundet. So hoch, so schmal, man kann sich gut vorstellen, wie die Fischersfamilien früher hier hantiert haben. Einige Menschen sind unterwegs, wenigstens mal nicht ausgestorben. Zwei Frauen führen ihre Miniatur-Hunde aus, einer bellt Bazou wahnsinnig an, Frauchen nennt daraufhin ihren kleinen Möpp gespielt empört und augenzwinkernd "Scandaloso", wie witzig! Einen Bäcker finden wir. Wim will morgen hier Brot holen. Es gibt viele Lokale, aber so wirklich gefällt mir nichts. Wim hat direkt am Hafen eine kleine Kaschemme gesehen. Wir gehen zum WoMo zurück, Lokal hat offen, Bazou ins Womo, wir zum essen. Es gibt Calamares und Chipiirgendwas frittiert. Eine Flasche Vino Tinto und Brot und hinterher einen 43, und es war lecker! Ein schöner Tag! Leider fehlen mir spanische Worte, ist schon blöd. Vielleicht lerne ich noch dazu in den nächsten Wochen. Nun schauen wir Skyfall und James Bond an. Wir sind gespannt, ob es morgen zeitig um uns herum emsiges Fischereigewerk gibt. Wäre schön! 

 

07.01.2015 Mittwoch – Playa dos Castros

 

Früh morgens werde ich wach vom Betrieb rundherum, schlafe aber wieder ein, weil draußen Stille einkehrt. Scheinbar laufen keine Fischerboote mit voller Ladung im Hafen ein. Wim holt Brot, das sehr lecker ist. Die Sonne scheint und es wird richtig warm. Wir frühstücken in Ruhe, drehen eine Runde am Hafen entlang und hoffen, die Fischladungen treffen bald ein. Viele Männer haben sich nämlich schon versammelt, auch Karren mit Kühlbehältern stehen bereit. Aber kein Boot kommt, nichts zu sehen. Schade. 

Gegen 10.30 Uhr fahren wir dann doch ab. Ziel soll Illa Pancha sein, eine Klippe mit sehr schöner Aussicht. Der Weg dorthin findet sich ganz gut, geht am Ende aber auch sehr schmal übers Land. Auf dem Parkplatz steht tatsächlich ein Womo, ein sehr schickes Mobilvetta. Die Italiener haben da schon was weg. Wir genießen die Aussicht auf das Meer und die Buchten bei strahlendem Sonnenschein. Einfach herrlich. 

Nun wollen wir einen SP anfahren an der Playa dos Castros, soll lt. Reiseführer sehr schön sein. Auf dem Weg erstürmen wir den ersten spanischen Supermarkt, einen Eroski. Der ist ähnlich wie die großen französischen Märkte, gigantisch. Riesige Muscheln kaufen wir, kg für 2,95€, auch 2 ganze Fische für paar €. Serrano-Schinken und Chorizzo müssen mit und sonst paar Kleinigkeiten wie z.B. eine Flasche 43. Alles verladen und ab geht's vamos a la Playa. Die stellt sich wirklich traumhaft dar. Inzwischen klettert das Thermometer auf 17 Grad ... schwitz. Es gibt allerdings nur einen Parkstreifen an der Straße. Aber wir beschließen, einfach nachts hier stehen zu bleiben. Es ist windstill und richtig sonnig. Wir umwandern die Klippen, steigen die Treppen hinunter zu den Buchten, ich ziehe Schuhe und Strümpfe aus und genieße das atlantische Wasser an meinen Füßen. Ich würde direkt reinspringen, wenn's nicht schon so spät wäre. Wir staunen über die Porphyr-Klippen und Felsen. Tolle Landschaften. Ich sammele paar Steine und fühle mich sauwohl. Ich denke an Arthus, an Dänemark und bewundere und amüsiere mich über Bazou, der lustvoll rumflegelt. 

Dann machen wir es uns gemütlich im Womo mit Cappuccino und spanisch Leckerem. Wir planen den weiteren Reiseverlauf und sehen der aufkommenden Flut mit hohen Wellen zu, die unter einem immer glutroter werdenden Abendrot in die Ausbuchtungen der Klippen donnert und rasant ansteigt. Wim kocht die Muscheln. Die erste Flasche Rioja muss dran glauben. Anschließend werden die Fische gebraten. Die Muscheln sind riesig und sowas von lecker. Ein weiterer Genuss an einem schönen Urlaubstag. Wir schauen uns noch an, wie Heino sich bei Dieter Bohlen so macht, dann ist Bettzeit.