15.04.2026 Mittwoch
Caen liegt hinter uns und der Küstenort Dives-sur-Mer in 30 km vor uns. Wir sind wieder mal sehr gespannt, wie wir es dort antreffen und vor allem, ob wir einen freien Platz ergattern können, denn der ausgesuchte SP liegt direkt am Wasser im Mündungsdelta des Flusses Dives und ist kostenlos. Na, das kann ja was werden. Aber wir sind früh dran, noch vor 12 Uhr, da müssten wir Glück haben. Und siehe da, bei teils heiter teils wolkiger Witterung rumpeln wir die wenig präparierte schlaglöchrige Einfahrt auf einen ordentlichen und gut geschotterten großen Platz und können tatsächlich in die letzte freie Lücke schlüpfen. Schwein gehabt! Viel Platz hat man nicht, was aber auch nicht stört. Auch hier wollen wir ja keine Woche bleiben. Fein aufgereiht stehen die Womos der zu 99 % französischen Mitcamper, obwohl es keine Parzellierung gibt. Jeder hat sich brav eingereiht, keiner egoistisch Sondereigentum beschlagnahmt. Wir richten uns ein.
Und siehe da, bei teils heiter teils wolkiger Witterung rumpeln wir die wenig präparierte Einfahrt auf einen gut geschotterten großen Platz und können tatsächlich in die letzte freie Lücke schlüpfen. Schwein gehabt! Viel Platz hat man nicht, was aber auch nicht stört. Auch hier wollen wir ja keine Woche bleiben. Fein aufgereiht stehen die Womos der zu 99 % französischen Mitcamper, obwohl es keine Parzellierung gibt. Jeder hat sich brav eingereiht, keiner egoistisch Sondereigentum beschlagnahmt. Wir richten uns ein.
Die Lage ist herrlich. Direkt liegen Rad- und Spazierwege an. Der Blick fällt auf ein Flussbett und vom Wasser zerfurchte Salzwiesen. Im Moment zeichnet sich wohl Ebbe ab, denn zunehmend sinkt der Wasserstand und die Boote dümpeln später schief in kleinen Rinnsalen. Auf unserer ersten Tour zum Lidl um die Ecke können wir gut verfolgen, wie das Wasser wegzusickern scheint.
Wir machen uns dann mal auf die erste Erkundung und folgen dem Radweg in nördlicher Richtung. Im schönen Hafenbecken blendet das Weiß der Yachten zum typischen Singsang der Masten und Gurgeln des Wassers. Im folgenden Fischereihafen stehen Türme von Plastikkästen und jede Menge Gerätschaften bereit für den nächsten Fang. Und eine große Halle, in der Fisch verkauft wird, gibt es ebenfalls. Phantastisch! Urlaubsfeeling ist das zu 100 %. Da kann die Seine nicht wirklich mithalten.
Hinter dem Fischereihafen verläuft der Radweg in weitem Bogen parallel zu einer Bahnlinie und der Straße, aber mit Meerblick. Im nächsten Ort Houlgate, von dem wir eigentlich so gar nichts erwarten, tut sich Strand auf. Menschen vergnügen sich, spazieren entlang oder bevölkern Strandlokale. Hier und da blitzen wunderschöne herrschaftliche Häuser hinterm Dünengras hervor.
Wir wollen aber zunächst auch mal in den Sand, und unser altes Mädchen freut sich.
Eine lange breite Promenade führt nun bis ins schier Endlose. Radfahren ist verboten. Da aber einige Radfahrer und eine überschaubare Zahl an Fußgängern unterwegs sind, wagen wir auch, stückweise zu radeln. Mein lieber Scholli, da grenzt aber was an die Promenade an, da stehen aber Villen, aber wie gemalt. Eine an der anderen. Eine schöner als die andere. Und mittig ein Casino und natürlich das Grand Hôtel. Ja, so gepflegt ging es ehedem zu in angesagten Badeorten. Zu lesen ist, dass Houlgate, so die feine Adresse am Meer, noch heute mit seinen 300 erhaltenen Villen glänzt.
Geblendet vom Glanz früherer Zeiten wenden wir uns am Ende von der ellenlangen Promenade ab und nutzen für den Rückweg eine Parallelstraße durch den Ort. Auch hier zeigt sich ein ähnliches Bild. Denn wo zum Meer raus Türmchen, Balkone und Terrassen sind, fehlen diese natürlich keineswegs auf den Rückseiten der herrschaftlichen Anwesen, meist noch ergänzt durch schmucke Gärten und lauschige Lauben und Teehäuser. Eine Pracht, alles in allem. Und voll bis zum Stehkragen mit Eindrücken aus der Welt „Schöner Wohnen“ radeln wir zum SP zurück.
16.04.2026 Donnerstag
Heute ist erstmal Fischfang angesagt. Bis mittags hat die kleine Fischhalle im Hafen geöffnet. Also nix wie hin. Die vor dem SP liegenden Salzwiesen sehen richtig toll aus. Schmale tiefe Wasserrinnen winden sich hindurch. Durch den blauen Himmel scheinen es blaue Bänder zu sein, die sich keiner Logik beugen und keinem Muster folgen, die vermutlich immer schon so verliefen. Ordnung hingegen herrscht im nahen Hafenbecken, wo die weiße Armada in Reih und Glied auf ihre wassersportlichen Eigner wartet.
Vor der Fischhalle parken schon viele Autos. Ein Einkauf hier scheint beliebt zu sein. Das Angebot ist überschaubar und klein, nur eine Handvoll Händler bedienen fleißig hinter ihren gefliesten Tischen die Kundschaft. Man hat trotzdem einiges zu schauen und zu bestaunen. Auch die Tatsache, dass die Miesmuscheln in Liter abgewogen werden und sich der Kilopreis der Jakobsmuschel auf die komplette Muschel, also mit Gehäuse, bezieht, kannten wir bisher nicht. Wir sacken jedenfalls 3 kg Miesmuscheln und ein Päckchen „entbeinte“ Jakobsmuscheln ein. Die werden heute abend angerichtet und jetzt erstmal flott in einer Kühltasche zum Womo gebracht.
Gegen Mittag starten wir zum Radausflug in die andere Richtung, nämlich nach Cabourg. Das Städtchen, das direkt an Dives-sur-Mer grenzt bzw. nur durch das Flüsschen Dives getrennt ist, sagt uns, wie gestern Houlgate, rein gar nichts, bot bei Reiseplanung aber offenbar schöne Radfahrmöglichkeiten und eben die Lage am Meer. Vorbehaltslos und erwartungsfrei nehmen wir die Brücke über die oder den Dives, halten uns rechts am Ufer entlang, von wo aus man einen tollen Blick auf unseren SP hat, radeln bis zum Beginn der Strandpromenade und steigen erst etwas über Dünen hinauf und dann über ein paar Treppenstufen zum Strand wieder hinab. Hier zieht sich jetzt eine lange sandige Nase weit hinaus, die wir gestern schon auf unserer Tour nach Houlgate sehen konnten.
Und Chianga genießt.
Nun rollen wir das Sightseeing Cabourg von hinten auf, die breite Promenade lockt. Aber sie lockt auch viele andere Besucher, die Sonne und Meer genießen wollen. Und leider ist Radfahren verboten. Man kann es verstehen, es macht schon Sinn. Ich will nicht wissen, was hier in Saisonzeiten gebacken ist. Und wenn dann auch noch stramme Radfahrer in Geradeausrichtung unterwegs sind, muss es Verletzte geben. Ich frage mich nur, was mit den affenschnellen lautlosen Rollern ist. Die sind ja gefährlicher als jedes Rad. Die hört man nicht, die drängeln sich blitzartig durch und vorbei und stellen echt eine Gefahr dar. Na ja, wie dem auch sei, wir schieben erstmal ab und nehmen eine untere Parallelstraße. Wiedermal erschlägt uns fast die unglaubliche Pracht der Bebauung. Üppig umwunden von Rosenbüschen, Glyzinien, Goldregen und was nicht noch alles überdauern hier in gepflegt wilder Ordnung die schönsten Gemäuer, strahlt Fachwerk jeglicher Art, jedes Märchens absolut würdig. Auch wenn ich mich wiederhole: man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus.
In der Stadtmitte tut sich ein großer Platz auf mit typisch französischen Blumenbeeten, eine herrlich in Farbe, Größe und Art arrangierte Blütenpracht. Hinreißend schön. Es ist mehr oder weniger der Vorgarten des anliegenden imposanten Grand Hotels, des Casinos und der zauberhaften Nachbarhäuserzeilen.
Die Stadt ist sehr übersichtlich angelegt. Von diesem Platz aus zieht sie sich in einem großen Halbkreis dahin und strahlenförmig gehen Straßen gradlinig ab, wie ein halber Regenschirm. Stichstraßen führen überall zur Promenade, wovon wir eine nehmen und uns radschiebend ins Treiben der Flanierenden mischen.
Irgendwo folgen wir wieder einer herrlichen Parallelstraße stadtauswärts. Schlagartig ändert sich im Verlauf die Bebauung. Große uninspirierende Klötze mit ganz wenig Ausstrahlung stehen wohl für Badeurlauber bereit. Der Unterschied zum Altehrwürdigen ist so krass, da können auch gewagte Balkonrüstungen in Orange nicht drüber hinwegtäuschen.
Zurück also mit uns ins Märchenland und in eine sehr belebte Gasse hinein. Hui, hier ist aber was los, hier muss es was umsonst geben. Eng ist es, anders als in den anderen Straßen. Ein Shop reiht sich an den anderen, Cafés reichlich. Verstehe ich die Beschilderung richtig, dann darf man hier nicht mit Fahrrad rein, nicht mal schieben. Aber wir sind dann, wenn‘s stimmt, nicht die einzigen Gesetzesbrecher und werden glücklicherweise nicht belangt, können die Vielfältigkeit der schönen Dinge genießen.
Das alles passiert bei wunderbarem Wetter, da haben wir soviel Glück. Das heimische Sprichwort: „Wir haben täglich schönes Wetter - wenigstens für ein paar Minuten!“ trifft auf unsere Zeit hier in der Normandie nicht zu. Frühes Frühjahr und Normandie und gutes Wetter - das passt für viele nicht unbedingt zusammen. Sieht man von 2 x Regenschauer für je 2 Std., 1 x Hagel am Mont Matre für 15 Minuten und ein paar zugezogenen Tagen ab, können wir auf reichlich Himmelsblau zurück blicken. Aber da sieht man‘s mal wieder, man steckt nicht drin. Wenn ich dagegen die Berichte aus Spanien, Marokko und Portugal höre: Kälte, Stürme, Regen und Sturzfluten, und das über Wochen und immer noch andauernd. Aus Gewohnheit und ein wenig auch aus Dankbarkeit statten wir der Kirche noch einen Besuch ab, deren Kirchenfenster durch die einfallenden Sonnenstrahlen sehr schöne Farbspiele im Inneren anrichten.
Über proppere Nebenstraßen mit gepflegten Rabatten und perfekt gestutzten Platanen radeln wir entspannt zurück zum Womo, um uns später über die am Morgen gekauften himmlischen Muscheln herzumachen, die Wim perfekt köchelt und serviert.
17.04.2026 Freitag
Herrgottsfrüh … schon vor 9 Uhr sind wir startklar und das Concördchen blubbert vor sich hin. Und das nicht grundlos. Denn wir hoffen, dass der frühe Vogel den Wurm fängt, das nächste Ziel ist nämlich sehr gefragt. Wir lassen also die mondäne Gegend der Villenbesitzer, Schlossherren, Flanierer und Badefreunde hinter uns und starten zu bewölktem Himmel auf zu neuen Ufern.