Anreise mautfrei ~ Vrigne-aux-Bois

22.03.2026 Sonntag

Auf die Plätze … fertig … und los geht‘s. Mannomann, jetzt haben unsere Überlegungen „wann und wohin“ ein Ende. Endlich tuckern wir los. Eine schöne Route ist geplant, mal sehn, was daraus wird. Jedenfalls ziehen wir gegen 11.00 Uhr los. Selbst wenn ich alles gepackt habe, ist doch im Haus immer noch einiges der Endkontrolle zu unterziehen und zu richten. Da fliegt die Zeit nur so dahin. Wir fahren Richtung AB mit blitzeblauen Aussichten auf unsere Heimat, die Vulkaneifel, und hinter Prüm auf die AB Richtung St. Vith in Belgien. Schnell erreichen wir die Schneeeifelhöhen und die raue Ardennen-Landschaft. Die heutige Etappe ist nur 190 km lang, bewusst so gewählt, wir müssen nicht hetzen. Aber auch jetzt vergeht die Zeit wie nix, vor allem, weil uns die Lage in Gouvy eine Baustelle serviert, alles gesperrt, die Bahnlinie kann nicht überfahren werden wegen Brückenarbeiten. Was nun? So einfach ist das alles hier in Ostbelgien im spröden Grenzland Deutschland/Belgien/Luxemburg nicht, wo man ruckzuck von einem ins andere Ländchen und wieder zurück hoppt ehe man sich versieht. Da ist die Straßenauswahl sehr sehr begrenzt. Alle Wege führen zwar nach Rom, aber hier kann die Umgehung und Erreichen der gewünschten Route schon mal aberwitzige Formen annehmen. So müssen wir auch notgedrungen ein mit Schlaglöchern überzogenes Bindfadensträßchen vorbei an einsam gelegenen Bauerngehöften und durch hochgelegene Wälder und Ackerflächen nehmen. Gegenverkehr? Glücklicherweise keiner! Und die im Nirgendwo nahende Unterführung unter dem Gleiskörper hindurch fasst 3,80 m. Nochmal Glück gehabt. Entschädigt werden wir mit den Ansichten der wirklich urig tollen belgischen Häuser, Bollwerke aus Stein in allen möglichen Erdfarben, die heute besonders herrlich in der Frühlingssonne strahlen. Von der doch irgendwie erreichten belgischen AB schwingen wir uns hinein in die französischen Ardennen, passieren die von uns schon besuchten sehenswerten Städtchen Bouillon und Sedan, deren Festungen unübersehbar immer noch dort stehen. 

Und schon laufen wir ein in unserem Zielort Vrigne-aux-Bois, ein kleines Örtchen, das vor einem historischen Gebäudekomplex mitten im Ort auf einem Parkplatz das Nächtigen mit Womo erlaubt. Einige PKW parken dort, aber für uns ist eine perfekt passende Lücke auf 12 Uhr frei. Hinein und wohlfühlen. Angrenzend plätschert ein Bächlein, ein schöner Spazierweg führt vorbei. Alles bestens, was zum Gucken, was zum Gehen, und vor allem was für Chianga, die auch sofort ein erfrischendes Bad nimmt und wir einen Kaffee in der Sonne.

Viele Leute sind ringsum, jeden Alters, Kind und Kegel, Hunde und Radfahrer, alle spazieren mit einem freundlichen „bonjour“ in unsere Richtung durch den kleinen Park und am Flüsschen entlang. Wir hinterher, hinterher auf das Gelände der Vrigne Forges Gendarme. Worum es sich handelt? Im Jahr 1817 gründete Jean-Nicolas Gendarme in der alten Mühle von Saint-Basel eine Schmiede zur Herstellung von Kanonenkugeln. 1824 errichtete er am Bach Vrigne einen Hochofen, dazu einen Teich, Kohlehallen und eine Schmiede. Der 1825 fertiggestellte Komplex umfasste auch Arbeiterunterkünfte, die den Spitznamen „Kaserne“ trugen und mit Kanonenkugeln geschmückte Arbeitgeberunterkünfte. Die aus Kalksteinbruchsteinen und behauenen Steinen errichteten Gebäude weisen eine sorgfältige Architektur auf: symmetrische Fassaden, große Dachfenster, Nischen und Dächer mit langen Seiten. Einige Elemente sind noch erhalten, obwohl sie seit den 1980er Jahren teilweise eingestürzt oder zerstört sind. Damals produzierte man hier Gusseisen (Eisen, Projektile) und Stabeisen, das in Vrigne-aux-Bois gewalzt wurde. Im Jahr 1851 verarbeitete die Anlage mit Erz und Holzkohle aus den Ardennen 800 Tonnen Gusseisen und 1 Tonne Eisen. Im Verlauf der Jahre wurde die Fabrik an die Familie Dardenne und dann an Creton vermietet, die die Fabrikation vor Schließung im Jahr 1935 mit Turbinen und Dampfmaschinen modernisierte. Interessant ist unser Spaziergang um die Gebäude, die leider verschlossen sind. 

Im anschließenden Park liegt ein verwunschener See, Nutrias soll es geben, die Buschwindröschen blühen herrlich und liegen unter den alten Bäumen wie weiße Teppiche. In einem weiteren Bereich des Parks, der noch in der Neu- bzw. Umgestaltung ist, vergnügen sich viele Leute, der wunderschöne große Spielplatz wird begeistert bespielt, ebenfalls die Boule-Bahn. Hier können sich alle Generationen sehr schön die Zeit vertreiben. Mit einem Schwenk am Flüsschen vorbei durch die Gassen endet unser Spaziergang. 

Eine Radtour unternehme ich noch. Dem Ziel, Domäne Château du Faucon, kann ich leider nicht auf die Pelle rücken, da das kunstvolle schmiedeeiserne Tor mit Kette verriegelt und verrammelt ist und mich am Näherkommen hindert. Schade, aber ein paar Kilometer weiter lockt noch ein Blick auf die Maas. Im Ort Donchery kann ich den sehr gut erhaschen von der Pont de Donchery aus und radele zufrieden zum Womo zurück. Ein schöner erster Tag geht zu Ende. Die Pommes aus der benachbarten Friterie können nicht mithalten und sind eher weniger schön. Prädikat „gerne wieder“ kann dafür nicht verliehen werden. Und morgen geht‘s weiter. 

23.03.2026 Montag

Eine sehr ruhige Nacht liegt hinter uns. Mitten im Ort auf einem Parkplatz kann das auch schon mal ganz anders sein, wenn die Jugend nachtaktiv wird. Aber hier vor den Kanonenkugelfabrikationshallen herrscht Ordnung. Dafür sorgt auch schon ein eifriger Trupp Gärtner. Gegen 10 Uhr legen wir ab und verlassen das gastliche Nest. Let‘s go West.